Wallfahrtskirche Hl. Blut zu Umrathshausen

Umrathshausen ist uns mit Heinricius de Umbrechtshusen in Chiemseeischen Urkunden um das Jahr 1135 historisch zum ersten Male genannt. Die Zeit der Erbauung der ehrwürdigen alten Wallfahrtskirche daselbst ist unbekannt; doch wird uns berichtet, dass schon um das Jahr 1500 ein Priester hier gewohnt haben muss.

Die alten Grabsteine, Ritter in voller Rüstung und mit den Wappen darstellend, an der Südseite neben dem Turm, bekunden uns von einer Grabstätte eines "Edlen Hans Eibinger", gestorben zu Leitenberg, und seiner Hausfrau Walburga Schrenkin von Notzing 1508. Dieser hat die Kirche damals mit einem Zehenten und anderem fundiert. - Im Chor rechts ist ein Christus aus sehr alter Zeit zu sehen, welcher mit einem Kelche das Blut aus der Seitenwunde auffängt; an dessen Stelle war früher ein Altar, genannt der heilige Blutaltar, gestanden. Dieser wurde bei der Restaurierung in den 1870er Jahren entfernt, der Christus aber renoviert und wieder aufgestellt.

Mit letzterem dürfte folgende Sage, welche alte Leute noch im Munde führen und die sich bis auf den heutigen Tag überliefert hat, im Zusammenhange stehen: Es soll nämlich in dieser Kirche eine Reliquie des hl. Blutes vorhanden gewesen sein, welche in einer früheren schweren Kriegszeit mit den goldenen Gefäßen und Leuchtern von drei Männern vergraben worden sein soll; diese Männer hatten sich verschworen, dass keiner die Stelle, an welcher die Reliquien vergraben wurden, preisgebe. Die drei wurden aber dem Feinde verraten und dann, weil sie nichts aussagten, zu Tode gemartert. - Für diese Sage sprechen auch alte Urkunden, welche von einer Bruderschaft zum heiligen Blute bekunden, die in Umrathshausen bestanden haben soll.

Auch die seit alter Zeit von den Päpsten für diese Kirche verliehenen Ablässe dürften dafür sprechen; dieselbe war früher eine Filiale der Pfarrei Prien und Chiemsee, seit Errichtung der Pfarrei Frasdorf Anfang des 19ten Jahrhunderts ist sie Filiale dieser Pfarrei.

Am 22. Juni 1825 stürzte der alte Turm, ein Sattelturm, wie man ihn noch auf einigen alten Votivtafeln abgebildet sieht, in sich zusammen, ohne die Kirche besonders zu beschädigen; auch die zwei alten Glocken hatten wenig dadurch gelitten, sie wurden neben der Kirche auf einem Gerüste zum Läuten aufgestellt.

Der jetzt stehende Turm wurde in den Jahren 1827-30 gebaut, jedes Jahr nur einige Fuß höher. Das Turmdach, ein sehr niedriger Helm, wurde nach den Plänen des Zimmerermeisters Pertl von Schlechtenberg unter der Leitung des Poliers Buhrainer von Seehaus aufgestellt und die zwei alten Glocken wurden wieder in den Turm verbracht. - Anfang der sechziger Jahre wurde mit der Restaurierung der Kirche unter dem hochw. Herrn Pfarrer Baron von Ow begonnen, und zwar mit der Erstellung des neuen Kirchendaches und der Friedhofsmauer; das alte Lärchenschindeldach wurde entfernt und die Kirche mit Schiefer eingedeckt, nur der Turm und die Sakristei behielten noch die alte Bedachung bei, was an dem unheilvollen Tage, dem 18. September 1898, so verhängnisvoll wurde.

In den siebziger Jahren wurde der jetzige Hochaltar im Renaissancestil unter Herrn Pfarrer und Geistlichem Rat Betsching neu errichtet. Der alte Hochaltar, welcher aus dem Jahre 1690 stammte und nach einem noch vorhandenen Voranschlag damals 450 Gulden kostete, war mit reichlichen Schnitzereien und Figuren im Barockstil ausgestattet; derselbe wurde entfernt und nur der Christus und die Engelchen, welche mit Kelchen das heilige Blut aus den fünf Wunden auffangen, sowie die Schmerzhafte-Muttergottes-Statue fanden wieder Verwendung. - Im Jahre 1880 wurden die Seitenaltäre nebst Kanzel und Kirchenstühlen neu errichtet, so dass die Kirche nunmehr in einer vollständig neuen Ausstattung dastand. Dies alles konnte aus der Rente des Kirchenvermögens geleistet werden. Man war auch mit der Abzahlung der hierauf gemachten Schulden gegen Ende der neunziger Jahre bereits fertig, so dass man daran gehen konnte, den Turm neu zu decken und die Spitze etwas zu erhöhen. Der Plan hierzu war Anfangs des Jahres 1898 fertig und man erwartete die Genehmigung desselben durch die Behörden. Da brach am 18. September 1898 die furchtbare Brandkatastrophe über Umrathshausen herein; nachts gegen ½ 10 Uhr brach Feuer im Bernhackeranwesen - auf der Südseite der Kirche gelegen- aus, und in kurzer Zeit, nach kaum einer Viertelstunde stand auch schon der mit Schindeln gedeckte Turm der Kirche in Flammen, als furchtbare Fackel hoch in die Lüfte lodernd, weithin sichtbar. Da es an Wasser mangelte, weil kaum zwei Monate vorher die schönen Ökonomiegebäude des Herrn Mayer zum Dangl ebenfalls durch Brandstiftung ein Raub der Flammen geworden waren und infolge andauernder Trockenheit die Wasserreserven sich nicht erholt hatten, so konnte auch das Dach der Kirche nicht gerettet werden, nur das Innere derselben wurde noch mit Mühe und Not erhalten, nachdem auch die Orgel schon vom Feuer ergriffen war. Dank dem soliden eisernen Glockenstuhle blieb auch das herrliche Geläute zu einigem Trost der Bevölkerung unversehrt und das Kirchengewölbe erlitt keinen Schaden, so dass nach kurzer Zeit der Gottesdienst wieder aufgenommen werden konnte.

Durch die Bemühungen des damaligen sehr verehrten Herrn Pfarrer Adolf Greisl und der Kirchenverwaltung und aus mannigfachen Spenden liebevoller Wohltäter von nah und fern konnte im Jahre 1899 das Kirchendach wieder aufgebaut und Anfang des nächsten Jahres die neue herrliche Orgel aufgestellt werden. Die Gemeinde allein wäre nicht imstande gewesen, das Notwendigste hierzu aufzubringen, weil sie durch den Aufbau der abgebrannten Anwesen schon sehr in Anspruch genommen war, denn um das Unglück voll zu machen, wurde sechs Wochen nach dem Kirchenbrande auch das Riederanwesen durch ruchlose Hand in Asche gelegt.

Nach historischen Quellen zusammengestellt und bearbeitet von Josef Buchauer
Zur Erinnerung an die Weihe und Aufsetzung des neuen Turm-Kreuzes am 17. Mai 1900
Zum Besten der Wallfahrtskirche, München 1900