Wallfahrtskirche St. Florian

Die Kirche ist vermutlich Anfang des 15. Jahrhunderts entstanden und verdankt ihren Ursprung offensichtlich der nahen, als wunderkräftig geltenden Quelle, über der sich eine kleine Kapelle erhebt. Man sprach diesem Wasser heilende Wirkung bei Augenleiden zu.

Der heilige Florian wurde im Spätmittelalter besonders an ,,Bründln" verehrt, was durch das Quellwunder des Heiligen begründet ist. Man übertrug zu dieser Zeit die Verehrung des hl. Florian oft vom Ort des Quellwunders in St. Florian bei Linz auf andere Orte mit Quellen, denen man heilende Wirkung zusprach. So auch in unserem Fall.

Die Kirche entstand also zunächst als reines Wallfahrtsheiligtum und wurde in den meisten Urkunden des 15. und 16. Jahrhunderts als "Capelln" bezeichnet. Die Wallfahrt in unserer Florikirche war sehr bedeutend und blühte bis ins 19. Jahrhundert. Schon im 16. Jh. verlobte man sich in Feuersgefahr - oft von weit entfernten Orten - hierher.

So opferte 1528 ein Hanns von Ramerstätten ,,ainer prunst halber" eine Kuh. 1677 stiftete Graf Max II. von Preysing-Hohenaschau ein Wachsmodell des Aschauer Schlosses, von einem Zentner und neun Pfund und bis 1784 ließen die Grafen Preysing alljährlich eine Votivmesse, zur Bewahrung des Schlosses vor Feuersgefahr, lesen. In der Kirche war auch: ,1 Tafl darauf das Graff Preysing Haus zu München in Silber auf ein schwarzsammeten feldt". Naturalopfer - besonders Vieh, Hühner, Eier, Flachs und Wolle - wurden anscheinend immer reichlich gebracht.

Im 16. Jh. war St. Florian eines der wohlhabendsten Gotteshäuser im Gerichtsbezirk Prien. Hauptfeste waren die drei Patrozinien St. Florian, Wolfgang und Anna. Dazu kamen auffälliger Weise zwei Kirchweihfeste. An diesen Festen herrschte um die Kirche ein buntes Jahrmarkttreiben mit Buden.

Mit der Säkularisation nahm die Bedeutung der Wallfahrt ab. Seit Ende des 19. Jh. ist sie so gut wie erloschen. Die Kirche St. Florian gehörte ursprünglich zur Pfarrei Prien und somit zum Bistum Chiemsee, das 1215 als Suffraganbistum gegründet worden war. Es war ein Eigenbistum des Erzbistums Salzburg und in ein bayerisches und ein tirolerisches Dekanat unterteilt. Bei der Säkularisation 1803 wurde das Bistum Chiemsee aufgelöst.

1806 erging die Anordnung, alle seelsorgerisch entbehrlichen Filialkirchen und Kapellen zum Abbruch freizugeben. Und der mit der Oberaufsicht über die Preysingischen Herrschaften beauftragte berüchtigte Landrichter Augustin König von Fischbach bestimmte - mit Einverständnis des damaligen Priener Pfarrers, eines Chorherren von Herrenchiemsee - u. a. auch St. Florian zum "Eingehen". Doch Graf Max V. von Preysing-Hohenaschau sorgte dafür, dass dieser Plan nicht verwirklicht wurde. Wir danken es ihm heute noch!

Nach dem bayerischen Konkordat von 1817 wurden die meisten bayerischen Pfarreien des ehemaligen Bistums Chiemsee, einschließlich Prien und Frasdorf, dem neuen Erzbistum München - Freising zugeteilt. St. Florian gehörte also nun zum Erzbistum München-Freising.

1830 wurde St. Florian, wegen der weiten Entfernung zur Pfarrkirche Prien, nach dem wesentlich näheren Frasdorf umgepfarrt. Heute sind regelmäßige Gottesdienste in der Kirche St. Florian an den drei Patrozinien Florian, Anna und Wolfgang, sowie am Pfingstmontag.

Außerdem finden viele Trauungen, Andachten und Pfarrwallfahrten statt. Auch wird seitens der Feuerwehr überlegt, die Wallfahrt wieder neu zu beleben.

Baugeschichte

Die erste, wohl noch kleine Kirche, scheint im ersten Viertel des 15. Jahrhunderts erbaut und 1423 oder 1429 von Johannes Ebser, Bischof von Chiemsee, geweiht worden zu sein.

1456 bestand bereits eine eigene Kirchenstiftung.

Die jetzige Kirche wurde in den Jahren 1490/94 im Stil der Gotik (Turm mit Satteldach) erbaut und von Georg Altdorfer, Bischof von Chiemsee, konsekriert.

In der Kirche waren ursprünglich drei gotische Schreinaltäre, wovon heute noch zwei erhalten sind. Der Floriansaltar (Hochaltar) aus der Zeit um 1500/10 zählt neben Rabenden und der Streichen-Kirche, zu den schönsten und künstlerisch wertvollsten gotischen Altären Oberbayerns.

Die Seitenaltäre waren der hl. Mutter Anna und dem hl. Wolfgang geweiht. Der Wolfgangsaltar ist jetzt wieder an seinen ursprünglichen Platz in der Kirche zurückgekehrt. Vom Anna-Altar ist nichts mehr bekannt.

1642 wurde der "Enge der Kürchen halber" an der Nordseite, vor dem damaligen Portal, eine gemauerte Vorhalle errichtet.

1707/08 wurde der Hochaltar barockisiert.

1710 wurde zur Vergrößerung der Kirche an der Westseite ein geräumiges Vorhaus angebaut und die ursprünglich geschlossene Kirchenwestmauer mit einem Hauptportal und zwei Fenstern durchbrochen.

Die Jahreszahl 1532 in der Türschwelle aus rotem Marmor ist kein Baudatum. Die Schwelle wurde vermutlich beim Ausbruch des Portals 1710 von einer anderen Stelle hierher versetzt.

1764 fand eine gesamte Barockisierung des Kircheninneren statt. Dabei wurde ,,inwendig an dem Kirchen Gwölb der alte Anwurff (samt den gotischen Rippen) abgehauen und die Kirche ganz neu verputzt und das Gottshaus ausgemahlen". Die Deckenfresken schuf Franz Xaver Tiefenbrunner d. J. von Trautersdorf.

1853 wurde die Kirche samt Inneneinrichtung regotisiert, das heißt, in den ursprünglich gotischen Zustand zurückversetzt. Dabei wurde auch das abhanden gekommene gotische Gesprenge des Florianaltares durch ein neugotisches ersetzt.

1866 errichtete Matthias Pertl von Schlechtenberg einen neuen Dachstuhl, den er - ebenso wie in der Pfarrkirche Frasdorf - wesentlich niedriger fertigte als es der alte spätgotische war.

1889/90 fand eine noch eingreifendere Regotisierung statt, wobei auch die Deckengemälde zugetüncht und das Rippennetz wieder aus Gips angebracht wurde.

Im April 1942 musste die größere Glocke - wie die der anderen Kirchen auch - zur Einschmelzung für Kriegszwecke abgeliefert werden. Nur die aus dem Jahr 1504 stammende Glocke durfte bleiben.

Doch am 9. Juli 1947 kam die abgelieferte Glocke - zur Freude aller - aus einem Glockenlager in Würzburg unversehrt zurück. Die Glocke trägt die Inschrift: ,,Paulus Kopp goß mich in München MDCLXXXV" (1685). 1955/56 wurde die Kirche außen und innen renoviert. Dabei wurden die neugotischen Zutaten des Altares wieder entfernt und die Deckengemälde von 1764 freigelegt und ergänzt.

Da sich jedoch der Zustand der Kirche - hauptsächlich durch aufsteigende Feuchtigkeit bedingt - wiederum sehr verschlechtert hatte, wurde eine neuerliche Renovierung erforderlich.
In den Jahren 1989/94 wurden Kirche und Brunnenkapelle von Grund auf renoviert und restauriert und das Mauerwerk saniert. Dabei wurde auch das neugotische Gesprenge am Floriansaltar wieder aufgesetzt und der Wolfgangsaltar kehrte nach 140 Jahren und einer Reise um die Welt mit Stationen in Amerika, Brüssel und Freising wieder an seinen Platz in der Kirche zurück.

Die Brunnenkapelle

Die Quelle, über der die Brunnenkapelle erbaut wurde, gab den Anlass zur Entstehung der Kirche Sankt Florian.

1528 wird ein „Stöcklein in sant Anna-Kapellen" bei St. Florian erwähnt, worunter vermutlich die Brunnenkapelle zu verstehen ist.

1545 wurde die „dain Capellen des prunnens" neu gedeckt und

1593 hat „ein Aichen, so von dem Starckhen windt umbgefallen, die Capelln eingetruckht".

1659 wurde, an Stelle der alten Holzkapelle, die heutige Brunnenkapelle aus Stein von Georg Steindlmüller d. A. von Schlechtenberg erbaut.
Es ist ein kleiner, achteckiger Zentralbau in volkstümlichem Frühbarock. Die origenlle Dachform - ein steiles, schindelgedecktes Zeltdach, aus dem sich eine gedrungene Laterne mit ebensolcher kräftiger Zwiebelkuppel erhebt - verleiht der Kapelle einen besonderen Reiz. An der Ostseite befindet sich ein Rundbogenportal.
Das Altarbild - Jesus heilt einen Lahmen am Teich Bethesda - wurde von Peter Weißpacher aus Kufstein geschaffen. Die achteckige Brunneneinfassung in der Mittte der Kapelle ist aus hellgrauem Marmor und trägt die Jahreszahl 1747. Die freigelegten Jahreszahlen über dem Portal belegen das Erbauungsjahr der jetzigen Kapelle 1659 und eine Renovierung (Ausmalung) 1898.

Lied von Annette Thoma

O heiliger Sankt Florian mit
frommen Sinn wir kommen an. Laß deine Fürsprach
uns erfahrn in Wassersnot und Feuersgfahrn
Und wenn im Herzen sich entzündt
das Feuer schwerer Schuld und Sünd,
dann lösch das Feuer, steh uns bei,
auf daß uns Gott sein Gnad verleih.
Geht es dereinst zum letzten End,
mach, daß das Herz in Lieb entbrennt
zum Vater der Barmherzigkeit,
der uns schenkt die ewig´ Seligkeit.